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Absturzsicherung am Bau: was die SUVA verlangt

Eine Absturzsicherung ist auf Schweizer Baustellen ab mehr als 2 m Absturzhöhe Pflicht. Grundlage ist die Bauarbeitenverordnung (BauAV); die SUVA kontrolliert als Durchführungsorgan, ob sie eingehalten wird. Vorrang hat immer der Kollektivschutz – Seitenschutz, Gerüst, Fanggerüst oder Auffangnetz –, der alle Personen gleichzeitig sichert. Ein Seitenschutz besteht aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett: Der Geländerholm liegt mindestens 100 cm über der Standfläche, das Bordbrett ist mindestens 15 cm hoch, keine Lücke misst mehr als 47 cm. Bei Hochbauarbeiten verlangt die BauAV ab mehr als 3 m ein Fassadengerüst, am Dachrand ab mehr als 2 m einen Spenglergang.

Was die Absturzsicherung an Ihrem Haus als Teil des Gerüsts kostet, zeigt der Richtpreis-Rechner für Ihr Gerüst in 60 Sekunden – kostenlos und unverbindlich.

Gerüst an einem Rohbau von unten, mehrere Ebenen mit durchgehenden Geländern
Abb. — Seitenschutz auf jeder Gerüstlage: die häufigste kollektive Absturzsicherung

Ab welcher Höhe ist eine Absturzsicherung Pflicht?

Die allgemeine Schwelle liegt bei mehr als 2 m Absturzhöhe. Daneben kennt die BauAV Schwellen bei 3 m und Fälle, in denen die Höhe keine Rolle spielt. Die folgende Übersicht ordnet sie nach Situation:

SituationSchwelleWas verlangt wirdBauAV
Arbeitsplatz oder Verkehrswegüber 2 mdreiteiliger SeitenschutzArt. 23
Hochbauarbeiten an der Fassadeüber 3 mFassadengerüstArt. 26
Dachrandüber 2 m ab TraufeSpenglergang, ab 30° Neigung mit DachdeckerschutzwandArt. 41
Dach steiler als 60°jede HöheArbeit nur von Gerüst oder Hubarbeitsbühne ausArt. 41
Dacharbeiten unter zwei Personenarbeitstagen pro Dachüber 3 m, bei Gleitgefahr über 2 mAbsturzsicherung; eine Seilsicherung in jedem FallArt. 46
Montage vorgefertigter Dach- und Deckenelementeüber 3 mAuffangnetze oder Fanggerüste über die ganze FlächeArt. 27
Arbeiten von der Leiterüber 2 mnur kurze Dauer, zusätzlich AbsturzsicherungArt. 21
Boden- und Dachöffnungenjede HöheSeitenschutz oder durchbruchsichere, unverrückbare AbdeckungArt. 25, 44
Im Bereich von Gewässernjede HöheSeitenschutzArt. 23
Niveauunterschied im Gebäudeinnernüber 50 cmGeländerholmArt. 24

Mindestvorgaben der Bauarbeitenverordnung, Stand 1. Januar 2024.

Massgebend ist überall die Absturzhöhe. Die BauAV definiert sie als Höhendifferenz zwischen der Absturzkante und der tiefstmöglichen Aufschlagstelle (Art. 2). Gemessen wird also bis zu dem Punkt, an dem eine stürzende Person im ungünstigsten Fall aufschlägt – bei einer Baugrube unter der Fassade bis zur Grubensohle. Die Gebäudehöhe spielt dafür keine Rolle. Am Dach zählt die Absturzhöhe ab der Traufe, und welche Sicherung dort nötig ist, bestimmt die Dachneigung an der Traufe. Wie die Sicherung am Dach konkret aussieht, beschreibt die Seite zum Dachfanggerüst mit Spenglergang.

Warum die Schwellen so tief liegen, zeigen die Zahlen der SUVA: In der Schweiz ereignen sich jährlich über 10'000 Berufsunfälle durch Absturz, mit durchschnittlich 230 Invaliditäts- und 16 Todesfällen. Rund die Hälfte der Todesopfer stürzt aus Höhen bis 5 m ab – aus Höhen also, wie sie an jedem Einfamilienhaus vorkommen (SUVA: Zahlen und Fakten zu Abstürzen).

Wie hoch muss eine Absturzsicherung sein?

Ein Seitenschutz muss nach der Bauarbeitenverordnung mindestens 100 cm hoch sein, gemessen von der Standfläche bis zur Oberkante des Geländerholms. Darunter liegen ein oder mehrere Zwischenholme, sodass keine Lücke grösser als 47 cm ist, und am Fuss ein Bordbrett von mindestens 15 cm Höhe, das Werkzeug und Material zurückhält. Statt der Holme sind Gitter mit höchstens 25 cm Maschenweite zulässig. Der Seitenschutz muss so befestigt sein, dass er sich nicht unbeabsichtigt lösen lässt.

Für Gerüste, Dachränder und Auffangeinrichtungen gelten weitere Mindestmasse:

ElementMindestmassBauAV
Geländerholm (Oberkante)mindestens 100 cm über der StandflächeArt. 22
Lücken zwischen Holmen und Bordbretthöchstens 47 cmArt. 22
Bordbrettmindestens 15 cm hochArt. 22
Gitter statt HolmeMaschenweite höchstens 25 cmArt. 22
Oberster Holm des Fassadengerüstsüberragt die höchste Absturzkante um mindestens 80 cm, bei weniger als 60 cm Abstand zur Kante um mindestens 100 cmArt. 26
Belag des Arbeitsgerüstshöchstens 30 cm Abstand zur FassadeArt. 57
Spenglerganghöchstens 1 m unter der TraufeArt. 58
Öffnung zwischen Spenglergang und Fassadeab mehr als 30 cm zusätzlich sichernArt. 43
Dachfangwandüberragt die Traufe um mindestens 80 cm, mindestens 100 cm hochArt. 42
DachdeckerschutzwandÖffnungen höchstens 100 cm²Art. 59
Fanggerüstfängt nach höchstens 2 m auf; auskragend mindestens 1.5 m horizontalArt. 66
Auffangnetzfängt nach höchstens 3 m aufArt. 67

Welche dieser Masse ein Gerüst an Ihrem Haus erfüllen muss, hängt von der Arbeit ab. Die Regeln für Verankerung, Beläge, Treppe und Abnahme fasst die Seite zu den SUVA-Vorschriften für Gerüste zusammen.

Kollektiv vor persönlich: welche Arten gibt es?

Die SUVA und die BauAV geben eine klare Reihenfolge vor. Zuerst kommt der Kollektivschutz, der alle Personen auf der Baustelle gleichzeitig sichert, ohne dass jemand etwas anlegen muss:

  • Seitenschutz – Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett an jeder Kante und jeder Gerüstlage. Die häufigste Massnahme.
  • Fassadengerüst – bei Hochbauarbeiten über 3 m Pflicht; mit seinem Seitenschutz ist es zugleich Arbeitsplatz und Absturzsicherung.
  • Spenglergang und Dachdeckerschutzwand – sichern den Dachrand und fangen eine Person auf, die vom Dach rutscht.
  • Fanggerüst – eine tiefer liegende, auskragende Auffangebene.
  • Auffangnetze – grossflächig unter Hallendächern oder bei der Montage von Dachelementen.
  • Abdeckungen – durchbruchsicher und unverrückbar über Boden- und Dachöffnungen.

Erst wenn ein Kollektivschutz technisch nicht möglich oder zu gefährlich ist, kommt die persönliche Schutzausrüstung gegen Absturz (PSAgA) zum Zug: Auffanggurt, Verbindungsmittel und Anschlagpunkt. Solche gleichwertigen Massnahmen müssen unter Beizug einer Spezialistin oder eines Spezialisten für Arbeitssicherheit schriftlich festgelegt werden (Art. 29). Wer mit Anseilschutz arbeitet, braucht nach der SUVA eine entsprechende Ausbildung, und die Rettung einer abgestürzten Person muss sichergestellt sein (Art. 8). Die Ausnahme sind kleine Dacharbeiten unter zwei Personenarbeitstagen: Dort ist die Seilsicherung die vorgeschriebene Mindestmassnahme (Art. 46).

Für die meisten Arbeiten an Fassade und Dach eines Wohnhauses lässt sich der Kollektivschutz über das Gerüst lösen. Welche Gerüstart wofür eingesetzt wird, zeigt die Übersicht der Gerüstarten.

Warum nennen viele Quellen nur „2 Meter"?

Weil das die allgemeine Regel ist – und weil viele Treffer aus Deutschland stammen, wo die DGUV-Regelwerke gelten. Die Zahlen ähneln sich, Zuständigkeiten, Prüfpflichten und Ausnahmen unterscheiden sich aber. Dazu kommt die Verkürzung: „Ab 2 Metern braucht es eine Absturzsicherung" beantwortet nicht, welche. Ein Geländer erfüllt die Zwei-Meter-Regel; für Hochbauarbeiten an der Fassade über 3 m verlangt die BauAV ein Gerüst, und am Dachrand je nach Neigung einen Spenglergang mit Dachdeckerschutzwand.

Absturzsicherung an Fenstern, Balkonen und Treppen

Feste Absturzsicherungen am fertigen Gebäude – Brüstungen, Fenstergeländer, Balkon- und Treppengeländer – regelt die Bauarbeitenverordnung nicht. Sie schützt die Arbeitnehmenden während der Bauarbeiten. Für Geländer und Brüstungen am Gebäude gilt die Norm SIA 358, zu der die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) Empfehlungen herausgibt. Diese Seite behandelt die Absturzsicherung auf der Baustelle.

Wer ist für die Absturzsicherung verantwortlich?

Verantwortlich ist der Arbeitgeber, also der Betrieb, dessen Leute in der Höhe arbeiten. Er muss die Absturzsicherung bei der Arbeitsvorbereitung planen, bereitstellen und während der ganzen Arbeit funktionsfähig halten. Dient ein Gerüst als Absturzsicherung, lässt er es täglich auf Sicht kontrollieren; bei Mängeln darf es nicht benützt werden (Art. 61). Stellt ein Gerüstbauer das Gerüst, ist er für den vorschriftsgemässen Aufbau von Seitenschutz und Fangeinrichtungen verantwortlich, und nur er darf es ändern (Art. 64).

Als Bauherrschaft beauftragen Sie diese Leistung mit dem Gerüst – sie gehört in jede Gerüstofferte. Arbeiten mehrere Betriebe nacheinander auf demselben Gerüst, prüft jeder vor Arbeitsbeginn, ob die Sicherung vollständig und unverändert ist.

Was kostet eine Absturzsicherung?

Beim regulären Gerüst ist der dreiteilige Seitenschutz im Quadratmeterpreis für Auf- und Abbau enthalten; er wird nicht separat verrechnet. Als Richtwert liegt dieser Satz je nach Gerüstfläche bei rund 8 bis 11 CHF pro m². Die Absturzsicherung am Dach kommt als eigene Positionen dazu:

  • Spenglergang an der Traufe: rund 16 bis 22 CHF pro Laufmeter
  • Dachdeckerschutzwand: rund 8 bis 16 CHF pro Laufmeter, dazu das Geländer mit rund 7 CHF pro Laufmeter
  • Giebelsicherung: rund 28 CHF pro Laufmeter

Bei einem Einfamilienhaus mit 12 × 9 m Grundriss und 6 m Traufhöhe machen Spenglergang und Dachschutz im Richtpreis rund 1'000 bis 1'400 CHF inkl. MwSt aus. Alle Beträge sind Richtwerte vor Rabatt und Skonto, keine Offerte. Den konkreten Wert für Ihr Haus samt nötiger Sicherung liefert der Rechner für Gerüst und Dachsicherung.

Häufige Fragen zur Absturzsicherung

Wann ist eine Absturzsicherung Pflicht?

Auf Schweizer Baustellen ist eine Absturzsicherung ab mehr als 2 m Absturzhöhe Pflicht, in der Regel als dreiteiliger Seitenschutz. Bei Hochbauarbeiten an der Fassade verlangt die Bauarbeitenverordnung ab mehr als 3 m ein Fassadengerüst, am Dachrand ab mehr als 2 m einen Spenglergang. Bei Boden- und Dachöffnungen, an Gewässern und auf Dächern über 60° Neigung gilt die Pflicht unabhängig von der Höhe.

Welche Mindesthöhe muss eine Absturzsicherung nach SUVA haben?

Der Geländerholm muss mindestens 100 cm über der Standfläche liegen. Dazu gehören ein oder mehrere Zwischenholme, sodass keine Lücke grösser als 47 cm ist, und ein Bordbrett von mindestens 15 cm Höhe. Diese Masse legt die Bauarbeitenverordnung in Art. 22 fest; die SUVA kontrolliert ihre Einhaltung auf den Baustellen.

Welche Vorschriften gelten für die Absturzsicherung in der Schweiz?

Massgebend ist die Bauarbeitenverordnung (BauAV) mit den Schwellen und Mindestmassen, ergänzt durch die Verordnung über die Verhütung von Unfällen und Berufskrankheiten (VUV). Die SUVA setzt diese Regeln auf den Baustellen durch und gibt Merkblätter und Checklisten dazu heraus. Für feste Geländer und Brüstungen am fertigen Gebäude gilt die Norm SIA 358.

Ab welcher Höhe braucht es am Dach eine Absturzsicherung?

Am Dachrand ab mehr als 2 m Absturzhöhe, gemessen ab der Traufe. Bis 30° Neigung genügt ein Spenglergang, von 30° bis 45° braucht er eine Dachdeckerschutzwand, darüber zusätzliche Massnahmen; über 60° darf nur von Gerüst oder Hubarbeitsbühne aus gearbeitet werden. Für kleine Arbeiten unter zwei Personenarbeitstagen pro Dach liegt die Schwelle bei 3 m, eine Seilsicherung ist aber in jedem Fall Pflicht.

Ab welcher Höhe ist ein Geländer notwendig?

Auf der Baustelle ab mehr als 2 m Absturzhöhe, als dreiteiliger Seitenschutz. Im Gebäudeinnern verlangt die Bauarbeitenverordnung schon bei Niveauunterschieden von mehr als 50 cm einen Geländerholm, und Baustellentreppen mit mehr als fünf Stufen brauchen einen Handlauf oder, bei einer Absturzseite, einen Seitenschutz. Für Geländer am fertigen Gebäude gilt die Norm SIA 358.

Ist die Absturzsicherung im Gerüstpreis enthalten?

Beim regulären Gerüst ist der dreiteilige Seitenschutz im Quadratmeterpreis für Auf- und Abbau enthalten und wird nicht separat verrechnet. Die Sicherung am Dach – Spenglergang, Dachdeckerschutzwand und Giebelsicherung – kommt als eigene Positionen pro Laufmeter dazu. Spenglergang und Dachschutz machen am Einfamilienhaus im Richtpreis rund 1'000 bis 1'400 CHF aus.

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