Gerüst selber stellen oder den Profi beauftragen?
Ein Gerüst selber stellen lohnt sich nur bei kleinen, niedrigen Arbeiten: Ein gemietetes Rollgerüst für eine Garagenwand, einen Wintergarten oder eine Hecke dürfen Sie problemlos selbst aufbauen. Sobald es um eine ganze Fassade, grössere Höhen oder Dacharbeiten geht, überwiegen Haftung, Sicherheit und Zeitaufwand klar zugunsten des Fachbetriebs. Wo die Grenze für Ihr konkretes Vorhaben liegt und was die Profi-Variante kostet, zeigt Ihnen der Richtpreis-Rechner in rund einer Minute.
Was spricht dafür, das Gerüst selbst aufzubauen?
Bei einem kleinen Vorhaben sprechen vor allem zwei Dinge fürs Selbermachen: Höhe und Kosten. Reicht eine Arbeitshöhe von zwei bis vier Metern – etwa Fenster putzen, eine Lampe montieren, einen Sockel streichen –, genügt ein fahrbares Rollgerüst. Das mieten Sie tageweise im Baumarkt oder beim Gerüstvermieter, bauen es nach Anleitung selbst auf und sparen die Baustelleneinrichtung eines Fachbetriebs.
Selbermachen ist dann sinnvoll, wenn alle folgenden Punkte zutreffen:
- Geringe Höhe: die Arbeitsebene liegt nicht höher als rund vier Meter
- Eigener Grund: das Gerüst steht vollständig auf Ihrem Grundstück
- Kurze Dauer: ein bis zwei Tage, keine wochenlange Baustelle
- Punktuelle Arbeit: eine Wandstelle, kein Rundumgerüst über die ganze Liegenschaft
- Standfester, ebener Untergrund: Asphalt oder verdichteter Boden, kein Hang
Ein Rollgerüst ist leicht, lässt sich von zwei Personen versetzen und braucht keine Verankerung in der Wand. Für solche überschaubaren Aufgaben ist die Eigenleistung wirtschaftlich und vertretbar.
Was spricht gegen das Gerüst selber stellen?
Gegen die Eigenleistung sprechen vier Punkte, die mit der Höhe und der Projektgrösse stark zunehmen: Haftung, Standsicherheit, Vorschriften und Zeit. Wer ein Fassadengerüst falsch aufstellt, riskiert nicht nur einen Sturz, sondern auch die volle persönliche Verantwortung dafür.
Haftung und Versicherung. Stürzt eine Person von einem selbst gestellten Gerüst oder fällt Material auf einen Passanten, haften Sie als Besteller. Ihre Privathaftpflicht deckt grobe Fahrlässigkeit – etwa fehlenden Seitenschutz – oft nur eingeschränkt. Helfer aus dem Bekanntenkreis sind in der Regel nicht wie Arbeitnehmer unfallversichert. Beauftragen Sie einen Betrieb, trägt dieser die Verantwortung für den normgerechten Aufbau und ist entsprechend versichert.
Verankerung und Standsicherheit. Ein Fassadengerüst muss in der Wand verankert, ausgesteift und auf tragfähigem Untergrund gegründet sein. Wie viele Anker bei welcher Höhe und Windlast nötig sind, ist Fachwissen. Ein mangelhaft verankertes Gerüst kann kippen – besonders, wenn ein Wetterschutz oder ein Netz zusätzlich Wind fängt.
Vorschriften. Ab zwei Metern Absturzhöhe ist dreiteiliger Seitenschutz Pflicht, die Beläge müssen vollflächig liegen, der Aufstieg gesichert sein. Wer diese Regeln nicht kennt, baut schnell ein Gerüst, das die Abnahme nicht bestehen würde. Welche Anforderungen im Detail gelten, lesen Sie unter Gerüst und SUVA-Vorschriften.
Zeit. Ein Laie braucht für ein einfaches Hausgerüst ein Vielfaches der Zeit eines eingespielten Teams – inklusive Materialbeschaffung, Transport und Rücktransport. Diese Stunden rechnet man bei der Kostenfrage gerne heraus.
Was kostet selbst stellen im Vergleich zum Profi?
Ein Rollgerüst zur Selbstmontage und ein gestelltes Fassadengerüst spielen in unterschiedlichen Ligen. Die Miete eines fahrbaren Rollgerüsts beginnt im zweistelligen Frankenbereich pro Tag und liegt für eine Woche je nach Höhe und Anbieter grob bei 100 bis 300 CHF. Dazu kommen Transport und Ihre eigene Arbeitszeit. Das passt für eine kleine, niedrige Aufgabe.
Lassen Sie dagegen eine ganze Liegenschaft einrüsten, gelten die folgenden Richtwerte für das gestellte Gerüst – Auf- und Abbau plus erste Mietperiode:
- Niedrige Fassaden bis rund 8 m: etwa 8 bis 10 CHF pro m²
- Mittlere Höhen bis rund 16 m: etwa 12 bis 18 CHF pro m²
- Hohe Gebäude über 16 m: etwa 20 bis 40 CHF pro m²
Hinzu kommt die Baustelleneinrichtung, die beim Einfamilienhaus bei 350 bis 900 CHF liegt. Ein Einfamilienhaus komplett einzurüsten kostet damit als Orientierung rund 3'000 bis 8'000 CHF. Das wirkt im ersten Moment viel – im Preis stecken aber Material, Verankerung, Versicherung, Transport und das ganze Können eines Teams, das die Fläche in einem halben bis ganzen Tag steht. Wie sich dieser Quadratmeterpreis zusammensetzt, lesen Sie unter Gerüstkosten im Detail. Den Richtwert für genau Ihr Gebäude liefert der Richtpreis-Rechner, wenn Sie Länge, Breite und Traufhöhe eingeben.
Wann ist der Profi zwingend?
In bestimmten Fällen ist die Eigenleistung keine echte Option mehr. Spätestens dann sollten Sie einen Gerüstbauer beauftragen:
- Über rund zwei Meter Arbeitshöhe an der Fassade, wo Verankerung und Seitenschutz über Standsicherheit und Sicherheit entscheiden
- Dacharbeiten – Neueindeckung, Spenglerei, Solarmontage. Hier braucht es ein Dachfanggerüst, das Stürze über die Traufe verhindert
- Gerüst auf öffentlichem Grund – ragt es auf Trottoir oder Strasse, sind Bewilligung, Signalisation und korrekte Sicherung Sache des Fachbetriebs
- Grosse oder ungewöhnliche Geometrien – Giebel, Türme, Hanglagen, lange Standzeiten oder ein zusätzlicher Wetterschutz
Für eine durchgehende Fassadenfläche führt am gestellten Fassadengerüst vom Fachbetrieb praktisch kein Weg vorbei. Die Faustregel lautet: Je höher, länger und öffentlicher das Vorhaben, desto eindeutiger der Profi.
Sicherheit und Vorschriften – was Sie wissen müssen
Ob selbst gestellt oder beauftragt: Ab zwei Metern Absturzhöhe gelten dieselben Sicherheitsregeln. Jede Arbeitsebene braucht dreiteiligen Seitenschutz aus Geländerholm, Zwischenholm und Bordbrett, die Beläge müssen vollflächig und trittsicher liegen, der Aufstieg muss gesichert sein. Diese Anforderungen sind nicht verhandelbar – sie schützen Sie und Dritte. Die verbindlichen Vorgaben für Gerüste und Absturzsicherung macht die SUVA.
Der entscheidende Unterschied liegt in der Verantwortung. Stellt ein Betrieb das Gerüst, prüft und übergibt er es normgerecht und haftet für den Aufbau. Stellen Sie selbst, tragen Sie diese Verantwortung allein – inklusive der Pflicht, das Gerüst vor jeder Benutzung auf Vollständigkeit zu kontrollieren. Wer das nicht sicher leisten kann, ist mit dem Fachbetrieb besser bedient.
Häufige Fragen
Darf ich ein Gerüst überhaupt selbst aufbauen?
Ein gemietetes Rollgerüst dürfen Sie auf eigenem Grund selbst aufbauen, solange Sie die Aufbauanleitung des Herstellers einhalten und die Höhe überschaubar bleibt. Es gibt keine generelle Pflicht, einen Betrieb zu beauftragen. Sobald das Gerüst aber höher wird, auf öffentlichen Grund reicht oder Dritte gefährdet, sollten Sie aus Haftungs- und Sicherheitsgründen einen Gerüstbauer beauftragen.
Ab welcher Höhe lohnt sich der Profi?
Faustregel: Liegt die Arbeitsebene über rund vier Metern oder geht es um eine ganze Fassade, lohnt sich der Fachbetrieb. Bis dahin reicht meist ein selbst gestelltes Rollgerüst. Über vier Meter steigen Verankerungsaufwand, Risiko und Vorschriften so stark, dass die professionelle Stellung sicherer und unterm Strich oft auch wirtschaftlicher ist als tagelange Eigenarbeit.
Bin ich versichert, wenn auf meinem Gerüst etwas passiert?
Nur eingeschränkt. Ihre Privathaftpflicht deckt Schäden oft nicht, wenn der Unfall auf fehlenden Seitenschutz oder einen unsicheren Aufbau zurückgeht. Helfer aus dem Bekanntenkreis gelten in der Regel nicht als versicherte Arbeitnehmer. Beauftragen Sie dagegen einen Betrieb, ist dieser für den fachgerechten Aufbau verantwortlich und entsprechend versichert.
Was kostet es, statt selbst zu stellen, gleich den Profi zu nehmen?
Ein Einfamilienhaus komplett einzurüsten kostet als Richtwert rund 3'000 bis 8'000 CHF, inklusive Auf- und Abbau sowie erster Mietperiode. Ein kleines gemietetes Rollgerüst liegt dagegen je nach Höhe grob bei 100 bis 300 CHF pro Woche. Welche Variante passt, hängt von Höhe, Fläche und Dauer ab – den genauen Richtwert für Ihr Vorhaben zeigt der Rechner.
Richtpreis statt Bauchgefühl
Bevor Sie sich zwischen Eigenleistung und Fachbetrieb entscheiden, hilft eine konkrete Zahl. Geben Sie die Masse Ihrer Liegenschaft in den Richtpreis-Rechner ein und Sie sehen in Sekunden, was das gestellte Gerüst grob kostet. Liegt der Betrag im Rahmen, fordern Sie mit einem Klick die verbindliche Offerte an – die ein Partner-Gerüstbauer erstellt. So vergleichen Sie Profi-Preis und Eigenaufwand auf einer sachlichen Grundlage statt aus dem Bauch heraus.