Dachfanggerüst: Vorschriften, Aufbau und Kosten
Ein Dachfanggerüst sichert Arbeiten am Dach gegen Absturz über die Traufe. In der Schweiz heisst es rechtlich Spenglergang: ein Gerüstgang höchstens einen Meter unter der Traufe, der Pflicht ist, sobald die Absturzhöhe dort mehr als 2 m beträgt. Ab 30 Grad Dachneigung kommt eine Dachdeckerschutzwand dazu. Wer ein Dach neu deckt, Spenglerarbeiten ausführt oder eine Solaranlage montiert, braucht es deshalb fast immer. Was die Dachpositionen für Ihr Haus ungefähr ausmachen, sehen Sie sofort: Richtpreis mit Dachfanggerüst berechnen – kostenlos und unverbindlich.

Dachfanggerüst, Dachgerüst, Spenglergang – was ist was?
Im Alltag kursieren viele Namen für dasselbe Bauteil: Dachgerüst, Dachfanggerüst, Fanggerüst, Dachdeckergerüst oder Dachschutzgerüst. Gemeint ist immer die oberste Lage des Fassadengerüsts, die an der Traufe als Arbeits- und Auffangebene dient. Wer beim Gerüstbauer ein Dachgerüst bestellt, bekommt genau das.
Die Schweizer Bauarbeitenverordnung verwendet eigene Begriffe, und die stehen auch in jeder Offerte:
- Spenglergang – der Gerüstgang am Dachrand, auf dem Spengler und Dachdecker arbeiten und der eine abrutschende Person auffängt.
- Dachdeckerschutzwand – die erhöhte Schutzwand am Spenglergang, die stürzende Personen und herabfallendes Material zurückhält.
- Dachfangwand – eine Schutzwand direkt auf der Dachfläche an der Traufe, die bei bestehenden Dächern bis 45 Grad anstelle des Spenglergangs erlaubt ist.
Das Wort „Dachfanggerüst" stammt aus dem deutschen Sprachgebrauch. Deshalb erscheinen bei der Suche danach vor allem deutsche Händler und deutsche Vorschriften – die für eine Baustelle in der Schweiz nicht massgebend sind.
Was ist ein Dachfanggerüst?
Technisch ist das Dachfanggerüst die oberste Belagebene eines Fassadengerüsts, die bis knapp unter die Traufe geführt wird. Rutscht jemand auf der Dachfläche ab, landet er auf diesem Gang statt am Boden. Damit das funktioniert, macht die Bauarbeitenverordnung genaue Vorgaben: Der Spenglergang liegt höchstens 1 m unter der Traufe, sein Belag ist für die Wucht eines Sturzes vom Dach bemessen, der Seitenschutz steht mindestens 60 cm von der Traufe entfernt, und sein oberster Holm ragt mindestens 80 cm über den Dachrand.
Diese Geometrie plant der Gerüstbauer anhand von Traufhöhe, Dachvorsprung und Dachneigung. Ein Dachfanggerüst ist also kein eigenes Gerüst, sondern der obere Abschluss eines bestehenden Fassadengerüsts – mit einer zusätzlichen Sicherheitsfunktion an der Dachkante.
Wann ist ein Dachfanggerüst Pflicht?
Sobald die Absturzhöhe an der Traufe mehr als 2 m beträgt. Das gilt an allen Dachrändern und damit praktisch für jedes Wohnhaus. Welche Sicherung es braucht, entscheidet dann die Dachneigung an der Traufe:
| Dachneigung an der Traufe | Was vorgeschrieben ist |
|---|---|
| unter 10° | Spenglergang – oder ein durchgehender Seitenschutz, innerhalb dessen alle Arbeiten stattfinden |
| 10° bis 30° | Spenglergang |
| 30° bis 45° | Spenglergang mit Dachdeckerschutzwand |
| 45° bis 60° | Spenglergang mit Dachdeckerschutzwand, dazu Arbeitspodeste oder Seilsicherung |
| über 60° | Arbeiten nur ab Gerüst oder Hubarbeitsbühne – unabhängig von der Absturzhöhe |
| Giebelseiten | Geländer- und Zwischenholm, sofern kein durchgehender Spenglergang besteht |
Nach Bauarbeitenverordnung (BauAV) Art. 41 und 58, Stand 2024.
Welche Pflichten auf der Baustelle sonst noch gelten, ordnet die Übersicht zu den SUVA-Gerüstvorschriften ein.
Warum steht in vielen Quellen „ab 22,5 Grad"?
Die Grenze von 22,5 Grad stammt aus den Regeln der deutschen Berufsgenossenschaft Bau. Weil zum Begriff Dachfanggerüst vor allem deutsche Seiten erscheinen, wird sie auch in der Schweiz oft zitiert. Für Baustellen in der Schweiz gilt die Bauarbeitenverordnung: Die Absturzhöhe entscheidet, ob gesichert werden muss – die Dachneigung, wie.
Und die oft genannten 3 Meter?
Die Schwelle von 3 m gibt es, aber nur als Ausnahme für kleine Arbeiten: Dauern die Arbeiten pro Dach insgesamt weniger als zwei Personenarbeitstage, muss erst ab mehr als 3 m Absturzhöhe gesichert werden, bei Gleitgefahr schon ab 2 m. Eine Seilsicherung ist auch dann Pflicht. Eine Neueindeckung, eine Sanierung oder eine übliche Solarmontage dauert länger – dort gilt die Regel ab 2 m.
Dachfangwand statt Spenglergang
Bei Arbeiten auf bestehenden Dächern bis 45 Grad Neigung erlaubt die Verordnung alternativ eine Dachfangwand. Sie steht direkt an der Traufe auf der Dachfläche, überragt diese um mindestens 80 cm, ist mindestens 100 cm hoch und in der tragenden Unterkonstruktion verankert. Sie ist eine Option, wenn für die Arbeiten sonst kein Fassadengerüst nötig wäre. Welche Lösung passt, entscheidet der Gerüstbauer vor Ort.
Steildach, Flachdach, Giebel – was sich unterscheidet
- Flachdach: Auch hier gilt die Grenze von 2 m, gemessen ab dem Flachdachrand. Bei weniger als 10 Grad Neigung genügt statt eines Spenglergangs ein durchgehender Seitenschutz entlang der Kante, sofern alle Arbeiten innerhalb davon stattfinden. Welche Varianten es gibt, zeigt die Seite zur Absturzsicherung am Bau.
- Steildach: Ab 30 Grad reicht der Spenglergang allein nicht mehr – er braucht eine Dachdeckerschutzwand. Zwischen 45 und 60 Grad kommen Arbeitspodeste oder eine Seilsicherung dazu, über 60 Grad wird nur noch vom Gerüst oder von einer Hubarbeitsbühne aus gearbeitet.
- Giebel und Ortgang: An den Giebelseiten verlangt die Verordnung Geländer- und Zwischenholm, ausser der Spenglergang läuft durch. In der Offerte steht das als Giebel-Absturzsicherung.
- Traufe und Dachrinne: Der Spenglergang ist zugleich die Arbeitsebene für Rinnen, Kehlen und Blechanschlüsse – daher sein Name.
Standgerüst oder am Dach befestigt?
Neben dem Spenglergang auf dem Fassadengerüst gibt es Fanggerüste, die auskragend angebracht werden, etwa mit Konsolen an der Dachkonstruktion. Für sie verlangt die Verordnung eine horizontale Auskragung von mindestens 1,5 m. Solche Systeme werden häufig über den Fachhandel verkauft – deshalb zeigen die Suchergebnisse zum Dachfanggerüst so viele Shops. Bei einer Sanierung, für die ohnehin ein Fassadengerüst steht, ist der Spenglergang auf dem Gerüst die übliche Lösung: Er nutzt die vorhandene Verankerung und dient gleichzeitig als Arbeitsgang.
Was kostet ein Dachfanggerüst?
Die Dachpositionen kommen zum Fassadengerüst dazu, das nach der Gerüstfläche abgerechnet wird – als Richtwert 8 bis 11 CHF pro m² für Auf- und Abbau. Für den Dachbereich gelten in der Schweiz folgende Richtwerte:
- Spenglergang: etwa 16 bis 22 CHF pro Laufmeter Traufe
- Dachdeckerschutzwand (ab 30 Grad Dachneigung): etwa 8 bis 16 CHF pro Laufmeter, dazu das Vierfach-Geländer mit rund 7 CHF pro Laufmeter, das immer mit anfällt
- Giebelsicherung: rund 28 CHF pro Laufmeter Giebel
- Vorhaltemiete für jede Dachposition, monatlich, solange das Gerüst steht
- Treppenaufgang: etwa 36 bis 44 CHF pro Laufmeter Treppe, die mehrläufig bis zum First führt
Bei einem typischen Einfamilienhaus mit Steildach kommen die Dachpositionen damit auf rund 1'500 bis 2'700 CHF inklusive MwSt – zusätzlich zum Fassadengerüst. Für ein Haus von 12 × 9 m mit 7 m Traufhöhe und zwei Monaten Standzeit liegt das ganze Gerüst so bei rund 7'600 bis 8'600 CHF. Bei Dächern unter 30 Grad entfällt die Schutzwand, entsprechend tiefer fällt der Zuschlag aus. Alle Beträge sind Richtwerte vor Rabatt und Skonto; wie sich der Grundpreis zusammensetzt, steht unter Gerüstkosten, den Wert für Ihr Dach liefert der Richtpreis-Rechner.
Wofür wird ein Dachfanggerüst eingesetzt?
Überall dort, wo über mehrere Tage auf oder dicht unter dem Dach gearbeitet wird und die Dachkante eine Absturzgefahr darstellt. Typische Anlässe:
- Dachsanierung und Neueindeckung – Ziegel oder Platten abtragen und neu verlegen
- Spenglerarbeiten – Dachrinnen, Kehlen, Anschlüsse und Blechabdeckungen
- Solarmontage auf dem Schrägdach – die Module liegen nah an der Traufe
- Kamin- und Lukarnenarbeiten sowie Reparaturen an Dachfenstern
- Unterhalt – Moosentfernung, Kontrolle der Eindeckung, Ausbessern einzelner Ziegel
Für die Photovoltaik-Montage am Schrägdach lohnt sich ergänzend der Blick auf das passende Gerüst für die Solaranlage. Was bei einer kompletten Sanierung sonst noch zusammenkommt – Wetterschutz, Standzeit, Gesamtkosten –, zeigt das Gerüst für die Dachsanierung.
Dachfanggerüst mieten oder kaufen?
In den Suchergebnissen zum Dachfanggerüst stehen viele Shops, die Systeme zum Kauf anbieten. Für Bauherren lohnt sich das selten: Das Dachfanggerüst ist Teil des Gerüstauftrags – der Gerüstbauer stellt es, prüft es, gibt es frei, baut es wieder ab und ist für die normgerechte Ausführung verantwortlich. Gekauft wird es vor allem von Betrieben, die es laufend einsetzen. Die Abwägung im Detail steht unter Gerüst mieten oder kaufen.
Sicherheit beim Dachfanggerüst
Damit das Dachfanggerüst eine stürzende Person auffängt, sind Belag und Schutzwand für eine dynamische Belastung bemessen, und die Konstruktion ist wie das tragende Fassadengerüst verankert. In der Dachdeckerschutzwand sind nur Öffnungen bis 100 cm² zulässig, damit weder Personen noch Ziegel hindurchfallen. Die Hinweise zur Absturzsicherung bei Dacharbeiten fasst die SUVA zusammen.
Nach der Montage und nach wesentlichen Änderungen wird das Gerüst geprüft und freigegeben, bevor Dachdecker oder Spengler es betreten. Wie das abläuft und wer dafür verantwortlich ist, steht unter Gerüstabnahme und Prüfung.
Dachfanggerüst und Fassadengerüst – wo liegt der Unterschied?
Das Fassadengerüst ist das tragende Standgerüst entlang der ganzen Hauswand und ermöglicht Arbeiten über die gesamte Fassadenhöhe. Das Dachfanggerüst ist keine eigene Bauart, sondern dessen oberer Abschluss: der Gang knapp unter der Traufe plus Schutzwand. Ohne Fassadengerüst gibt es in der Praxis kein Dachfanggerüst – der Fang sitzt immer auf dem darunterliegenden Gerüst auf. Beim Einrüsten für eine Dachsanierung bestellen Sie also das Fassadengerüst bis zur Traufe und ergänzen es um die Dachpositionen. Welche Kombination Ihr Projekt braucht, klärt der Gerüstbauer anhand Ihrer Angaben – eine erste Grössenordnung liefert der Richtpreis-Rechner.
Häufige Fragen zum Dachfanggerüst
Wann ist ein Dachfanggerüst Pflicht?
Sobald die Absturzhöhe an der Traufe mehr als 2 m beträgt. Dann verlangt die Bauarbeitenverordnung höchstens einen Meter unter der Traufe einen Spenglergang, ab 30 Grad Dachneigung zusätzlich eine Dachdeckerschutzwand. Nur bei kleinen Arbeiten unter zwei Personenarbeitstagen pro Dach liegt die Schwelle bei 3 m – eine Seilsicherung braucht es dann trotzdem.
Gilt in der Schweiz die 22,5-Grad-Regel für Dachfanggerüste?
Nein. Die 22,5 Grad stammen aus den Regeln der deutschen Berufsgenossenschaft Bau. In der Schweiz gilt die Bauarbeitenverordnung: Ab mehr als 2 m Absturzhöhe muss gesichert werden, und die Dachneigung an der Traufe bestimmt, wie – bis 30 Grad mit Spenglergang, darüber mit Dachdeckerschutzwand, über 60 Grad nur ab Gerüst oder Hubarbeitsbühne.
Was kostet ein Dachfanggerüst?
Die Dachpositionen kommen zum Fassadengerüst dazu: Spenglergang rund 16 bis 22 CHF pro Laufmeter, Dachdeckerschutzwand 8 bis 16 CHF plus Vierfach-Geländer 7 CHF pro Laufmeter, Giebelsicherung 28 CHF pro Laufmeter, dazu eine monatliche Vorhaltemiete. Beim typischen Einfamilienhaus mit Steildach sind das rund 1'500 bis 2'700 CHF inklusive MwSt.
Was ist der Unterschied zwischen Dachfanggerüst und Fassadengerüst?
Das Fassadengerüst ist das tragende Standgerüst entlang der Hauswand für Arbeiten über die ganze Fassadenhöhe. Das Dachfanggerüst ist keine eigene Bauart, sondern dessen oberste Lage, die bis knapp unter die Traufe reicht, samt Schutzwand über den Dachrand hinaus. Es sitzt immer auf einem Fassadengerüst auf und sichert die Dachkante gegen Absturz.
Braucht jedes Dach ein Dachfanggerüst?
Nicht jedes. Liegt die Absturzhöhe an der Traufe bei höchstens 2 m, verlangt die Bauarbeitenverordnung am Dachrand noch keine Sicherung – ausser bei Dächern über 60 Grad. Bei flachen Dächern unter 10 Grad genügt statt eines Spenglergangs auch ein durchgehender Seitenschutz, sofern alle Arbeiten innerhalb davon stattfinden.
Kann man ein Dachfanggerüst mieten?
Ja – in der Schweiz ist das der Normalfall. Das Dachfanggerüst ist Teil des Gerüstauftrags: Der Gerüstbauer stellt es, prüft es, gibt es frei, hält es für die vereinbarte Standzeit vor und baut es wieder ab. Bezahlt werden die Dachpositionen plus eine monatliche Vorhaltemiete. Kaufen lohnt sich nur für Betriebe mit laufendem Bedarf.
Dachfanggerüst-Richtpreis berechnen
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