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Notdach: das temporäre Dach über Haus und Baustelle

Ein Notdach ist eine wasserdichte Überdachung, die auf einem Gerüst über dem offenen Dach aufgebaut wird. Es hält Regen und Schnee vom Gebäude fern, wenn die Eindeckung nach Sturm-, Hagel- oder Brandschaden fehlt – oder wenn bei einer Dachsanierung der Dachstuhl wochenlang offen liegt. Der entscheidende Unterschied zur blossen Abdeckplane: Unter einem Notdach kann weitergearbeitet werden, bei jedem Wetter.

Weil ein Notdach immer auf einem Stütz- oder Fassadengerüst steht, hängt der Preis in erster Linie an diesem Gerüst. Wie gross die Grössenordnung für Ihr Objekt ausfällt, sehen Sie sofort: Richtpreis für Ihr Gerüst berechnen – kostenlos und unverbindlich.

Wann brauchen Sie ein Notdach?

Zwei sehr unterschiedliche Situationen führen zum selben Aufbau. Im Schadenfall ist das Dach unfreiwillig offen und jede Stunde Regen vergrössert den Schaden:

  • Sturm- und Hagelschaden – Ziegel sind abgedeckt, die Unterdachbahn ist perforiert, das Gebäude steht offen.
  • Brandschaden – nach dem Löscheinsatz fehlt die Dachhaut ganz oder teilweise, gleichzeitig ist die Statik oft unklar.
  • Wasserschaden im Dachaufbau – die Konstruktion muss austrocknen, bevor sie wieder geschlossen werden darf.

Im geplanten Fall entscheidet man sich bewusst dafür, weil die Sanierung sonst vom Wetter diktiert würde:

  • Komplette Dachsanierung – Eindeckung, Unterdach und Dämmung werden abgetragen; der Dachstuhl liegt tage- bis wochenlang frei.
  • Aufstockung oder Dachausbau – gearbeitet wird im bewohnten Gebäude, ein Wassereintritt trifft direkt die Wohnräume darunter.
  • Sanierung im Winterhalbjahr – Schnee und Frost würden die Arbeiten sonst immer wieder stoppen.

Bei einem geplanten Vorhaben lohnt sich der Blick auf das Gerüst für die Dachsanierung: Dort steht, welche Positionen ohnehin anfallen, bevor das Notdach überhaupt dazukommt.

Notdach oder Abdeckplane – was ist der Unterschied?

Eine Abdeckplane liegt direkt auf der Dachfläche und wird beschwert oder verzurrt. Sie ist eine Sofortmassnahme für Stunden bis wenige Tage, kostet ein paar hundert bis wenige tausend Franken – und darunter lässt sich nicht arbeiten. Bei Wind reisst sie sich los, bei Schnee trägt sie nicht.

Ein Notdach ist eine freitragende Konstruktion, die auf dem Gerüst ruht und die Dachfläche in einem Abstand überspannt. Es hält Wochen bis Monate, nimmt Schneelast auf, und die Handwerker arbeiten im Trockenen darunter weiter. Deshalb bekommt man ein Notdach auch nicht im Baumarkt: Es wird als Gerüstleistung gestellt, gemietet und wieder abgebaut.

Faustregel: Geht es darum, ein Loch über Nacht dichtzuhalten, genügt die Plane. Geht es darum, ein offenes Dach über Wochen zu überbrücken oder darunter zu arbeiten, führt kein Weg am Notdach vorbei.

Kassettendach oder Kederdach – die zwei Systeme

In der Schweiz sind zwei Bauarten üblich. Das Kassettendach besteht aus vorgefertigten Aluminium-Elementen, die auf die Binder gelegt und untereinander verriegelt werden. Es ist robust, schnell dicht und eignet sich gut für überschaubare Flächen und rechteckige Grundrisse.

Das Kederdach arbeitet mit Planenbahnen, die über einen eingenähten Randwulst – den Keder – in die Nut der Aluminiumbinder eingezogen werden. Es überspannt grössere Weiten stützenfrei und lässt Tageslicht durch, was unter dem Dach spürbar angenehmer ist. Beide Systeme lassen sich als verschiebbares Notdach ausführen: Die Binder laufen dann auf Schienen, sodass die Dachfläche abschnittsweise geöffnet und nach getaner Arbeit wieder überdeckt wird.

Welches System zum Einsatz kommt, entscheidet der Betrieb nach Spannweite, Standzeit und verfügbarem Material – nicht der Auftraggeber. Für die Kosten ist die Bauart weniger entscheidend als die überdachte Fläche und die Dauer.

Wie schnell steht ein Notdach?

Im Schadenfall zählt die Reaktionszeit, und die zerfällt in zwei Teile. Eine provisorische Abdeckung lässt sich meist noch am selben oder am nächsten Tag anbringen. Das eigentliche Notdach braucht länger, weil zuerst das tragende Gerüst stehen muss.

Der Ablauf ist immer derselbe: zuerst das Fassaden- oder Stützgerüst rund um das Gebäude, darauf die Binder, dann die Eindeckung mit Kassetten oder Kederplanen, zuletzt der Anschluss an die Fassade. Bei einem Einfamilienhaus liegt das realistisch bei zwei bis vier Arbeitstagen ab Auftrag, sofern Material verfügbar ist und der Zugang stimmt. Bei grösseren Objekten oder schwieriger Zufahrt dauert es länger. Wie lange der Gerüstteil allein beansprucht, steht unter Aufbauzeit eines Gerüsts.

Was kostet ein Notdach?

Ein Notdach wird nicht als Pauschale verkauft, sondern setzt sich aus mehreren Positionen zusammen – und die grösste davon ist das Gerüst darunter.

Das Grundgerüst rechnet sich nach der Gerüstfläche, als Richtwert rund 8 bis 11 CHF pro Quadratmeter für Auf- und Abbau ohne Miete. Dazu kommt die Baustelleneinrichtung, beim Einfamilienhaus als Orientierung 250 bis 450 CHF, bei grösseren Objekten 450 bis 900 CHF – mit Notdach eher am oberen Rand, weil mehr Material anzuliefern und zu versetzen ist. Für die Standzeit fallen Vorhaltekosten an, als Richtwert rund 0.60 bis 0.80 CHF pro Quadratmeter und Monat, gerechnet ab dem ersten Monat. Gerade beim Notdach ist das eine relevante Position, weil solche Konstruktionen selten nur zwei Wochen stehen.

Die Überdachung selbst kommt als eigene Position dazu und hängt an der überdachten Fläche, der Spannweite und daran, ob das Dach verschiebbar ausgeführt wird. Weil jedes Objekt anders liegt, lässt sie sich seriös nicht pauschalieren. Wie die einzelnen Positionen generell zusammenspielen, erklärt die Übersicht zu den Gerüstkosten; den konkreten Richtwert für Ihr Objekt liefert der Rechner in 60 Sekunden.

Notdach auf dem Flachdach

Auf dem Flachdach fehlt die Neigung, die das Wasser von selbst ableitet – das Notdach muss sein eigenes Gefälle mitbringen. Aufgelagert wird in der Regel auf einem umlaufenden Gerüst oder direkt auf dem Dach, dann aber lastverteilt und ballastiert statt verankert, damit die Abdichtung unverletzt bleibt.

Zwei Punkte fallen dabei regelmässig an: Die Attika ist als Auflager nur bedingt tauglich, und der Windsog ist auf einem freistehenden Flachdach höher als an einer geschützten Traufe. Beides gehört in die Planung des Betriebs, nicht in eine Faustregel. Für die Absturzsicherung während der Arbeiten gelten dieselben Regeln wie sonst am Dachrand – nachzulesen unter Absturzsicherung am Gerüst.

Wer stellt das Notdach – Dachdecker oder Gerüstbauer?

Gestellt und verantwortet wird das Notdach vom Gerüstbauer. Er liefert das tragende Gerüst, die Binder und die Eindeckung, erbringt den statischen Nachweis und haftet für die Konstruktion. Der Dachdecker oder Spengler arbeitet darunter an der eigentlichen Dachhaut.

In der Praxis kommt der Erstkontakt oft über den Dachdecker, der den Gerüstbauer beizieht – oder über die Gebäudeversicherung, die einen Betrieb aufbietet. Wer selbst organisiert, holt die Offerte direkt beim Gerüstbauer und stimmt den Termin mit dem Dachdecker ab, damit das Notdach steht, bevor die Eindeckung aufgeht.

Statik: warum ein Notdach gerechnet werden muss

Ein Notdach verwandelt ein offenes Gerüst in ein geschlossenes Bauwerk. Die überspannte Fläche fängt Wind wie ein Segel und trägt im Winter zusätzlich Schneelast – zwei Lastfälle, die das nackte Gerüst nicht kennt. Ohne dichteres Ankerraster, kräftigere Profile und geprüfte Binder wäre die Konstruktion bei der ersten Sturmnacht gefährdet.

Deshalb gehört zu jedem Notdach ein statischer Nachweis für Wind- und Schneelast, erbracht vom ausführenden Betrieb. Das ist keine Formalie, sondern der Grund, warum ein Notdach mehr kostet und länger dauert als eine Plane. Dieselbe Logik gilt für die geplante Einhausung und den Wetterschutz – dort steht, wie sich Plane, Netz und Wetterschutzdach unterscheiden.

Versicherung: wer zahlt das Notdach?

Nach einem Elementar- oder Brandschaden ist das Notdach in aller Regel eine Massnahme zur Schadenminderung – also genau das, wozu das Versicherungsvertragsgesetz Versicherte verpflichtet: Sie sollen das Zumutbare tun, um einen eingetretenen Schaden nicht grösser werden zu lassen. Entsprechend übernehmen die kantonale Gebäudeversicherung oder der private Versicherer solche Sofortmassnahmen häufig.

Verlassen sollten Sie sich darauf nicht, ohne es geklärt zu haben. Melden Sie den Schaden, bevor der Auftrag rausgeht, halten Sie den Zustand fotografisch fest und lassen Sie sich die Kostenübernahme bestätigen. Bei einer geplanten Dachsanierung zahlt das Notdach dagegen immer die Bauherrschaft – dort ist es eine Bauleistung, kein Schadenfall.

Häufige Fragen zum Notdach

Was ist ein Notdach?

Ein Notdach ist eine temporäre, wasserdichte Überdachung, die auf einem Gerüst über dem offenen Dach aufgebaut wird. Es schützt das Gebäude, wenn die Eindeckung nach Sturm-, Hagel- oder Brandschaden fehlt oder bei einer Dachsanierung abgetragen wurde. Anders als eine Abdeckplane ist es freitragend, nimmt Schneelast auf und erlaubt es, darunter bei jedem Wetter weiterzuarbeiten.

Was kostet ein Notdach?

Ein Notdach setzt sich aus dem tragenden Gerüst, der Baustelleneinrichtung, den Vorhaltekosten für die Standzeit und der Überdachung selbst zusammen. Das Grundgerüst liegt als Richtwert bei 8 bis 11 CHF pro Quadratmeter für Auf- und Abbau ohne Miete, die Baustelleneinrichtung beim Einfamilienhaus bei 250 bis 450 CHF. Die Überdachung hängt an Fläche, Spannweite und Standzeit und lässt sich nicht pauschalieren.

Wie lange dauert es, bis ein Notdach steht?

Eine provisorische Abdeckung ist meist am selben oder nächsten Tag möglich. Das eigentliche Notdach braucht zuerst das tragende Gerüst und steht bei einem Einfamilienhaus realistisch nach zwei bis vier Arbeitstagen ab Auftrag, sofern Material verfügbar ist und der Zugang stimmt. Bei grösseren Objekten oder schwieriger Zufahrt dauert es entsprechend länger.

Kann man ein Notdach mieten?

Ja – ein Notdach wird praktisch immer gemietet, nicht gekauft. Der Gerüstbauer stellt die Konstruktion, hält sie für die vereinbarte Dauer vor und baut sie wieder ab. Bezahlt werden Auf- und Abbau sowie eine monatliche Vorhaltemiete, als Richtwert rund 0.60 bis 0.80 CHF pro Quadratmeter und Monat, gerechnet ab dem ersten Monat.

Zahlt die Versicherung das Notdach?

Nach einem Sturm-, Hagel- oder Brandschaden gilt das Notdach in der Regel als Massnahme zur Schadenminderung, zu der Versicherte gesetzlich verpflichtet sind – kantonale Gebäudeversicherung oder privater Versicherer übernehmen solche Sofortmassnahmen deshalb häufig. Klären Sie die Kostenübernahme aber vor der Auftragserteilung ab. Bei einer geplanten Dachsanierung trägt die Bauherrschaft die Kosten.

Braucht ein Notdach eine Bewilligung?

Auf dem eigenen Grundstück braucht das Notdach selbst normalerweise keine gesonderte Bewilligung. Steht das tragende Gerüst dagegen auf öffentlichem Grund, Trottoir oder Strasse, ist wie bei jedem Gerüst eine Bewilligung der Gemeinde nötig. Den statischen Nachweis für Wind- und Schneelast erbringt der Gerüstbauer – das ist Pflicht, aber keine behördliche Bewilligung.

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